KOMMEN DEINE TEILNEHMER WIEDER IN DEINE CLASS? SO ERREICHST DU SIE!

Ein guter Instruktor zu sein, ist wie ein guter Gastgeber zu sein. Behandle deine Teilnehmer wie deine Gäste.

Das ist die Geschichte von Tina. Sie lud zehn Nachbarn an einem Dienstagnachmittag, 14 Uhr zum Teetrinken zu sich nach Hause ein. Am besagtem Tag klopften die ersten drei Nachbarn um fünf vor zwei an Tinas Haustüre. Sie klingelten, aber keiner öffnete. Sie warteten, klingelten noch einige Male. Um Punkt zwei Uhr fuhr Tina in ihre Auffahrt, stellte ihr Auto quietschend ab, riss die Autortür auf und hetzte mit den Einkaufstüten unter dem Arm zur Haustür.

Sieht nach einer stressigen Rückfahrt aus.

„Der Verkehr war SCHRECKLICK“, entgegnete sie vollkommen außer Atem, während sie nach ihrem Schlüsselbund suchte, um die Tür aufzuschließen. Ihre Gäste sahen sie ungläubig an. War es eine gute Entscheidung, ihre Einladung anzunehmen?

„Wo sind denn alle?“, fragte Tina. Ihre Gäste zuckten mit den Schultern und folgten ihr. Sie stellte die Tüten auf der Arbeitsplatte ab und setzte Wasser auf. Die drei standen unbeholfen mitten in der Küche herum.

Endlich wies ihre Gastgeberin darauf hin, dass sie im imWohnzimmer Platz nehmen können. Keiner der Gäste war je zuvor bei ihr zuhause gewesen. Sie spähten also um die Ecke, wo sie einen Raum mit Stühlen und einer Couch sahen. „Hier muss es sein“, sagte einer.

Nachdem sie in dem vollkommen stillen Raum Platz genommen hatten, unterhielten sie sich einige Minuten angeregt bis Tina aus der Küche rief: „Das Wasser ist fertig! Kommt und holt euch eure Tassen!“

Die Gäste gingen in die Küche, nahmen sich jeder eine Tasse und gossen sich heißes Wasser über ihre Teebeutel. „Jetzt noch nicht“, patzte Tina. „Ihr müsst noch 30 Sekunden warten, erst dann ist das Wasser bereit zum Aufgießen.“

Jede Sekunde die verging, konnten sie die Zeit weniger genießen, aber sie warteten die erforderliche Zeit, bevor sie das heiße Wasser in ihre Tassen gießen durften geduldig ab. Kaum hatten sie ihre Tassen zum Mund geführt, befahl Tina energisch: „Ihr könnt den Tee noch nicht trinken. Er muss zwei bis drei Minuten ziehen.“

Eine halbe Stunde später, nachdem sie ihre Tassen ausgetrunken und dabei höflich gelächelt hatten, wusste jeder der Nachbarn eins genau: Keiner von ihnen würde je wieder zu Tinas Nachmittagstee kommen.

Mary Marcia Brown

Traurigerweise trifft das gleiche Gefühl auf einige Gruppenfitnesskurse zu.

Wie oft warst du nur wenige Minuten bevor dein Unterricht losgehen sollte, vor einer verschlossenen Türe gestanden? Dein Instruktor war weit und breit nicht zu sehen…

Wie oft warst du dabei, als dein Instruktor in den Kurs rannte und dabei unbeholfen in seiner Sporttasche kramte, um Schlüssel, Musik, Mikro, Handtuch und Wasser zu suchen?

Wie oft hast du es erlebt, dass ein Instruktor, ohne deine Anwesenheit zu bemerken, an dir vorbeigegangen ist und dabei erzählt hat, dass SEIN Tag hart war?

Wie oft warst du schon mit wenigen anderen im Kurs und hast den Instruktor fragen gehört, wo denn alle anderen sind?

Wie oft hast du schon in einem unangenehmen Schweigen darauf gewartet, dass endlich motivierende Musik angeht?

Wie oft hast du dich schon gefragt, wo das Kursequipment aufbewahrt wird und welches du brauchst, weil du nicht richtig informiert wurdest?

Wie oft hast du dich schon so gefühlt, als ob du wieder in der Grundschule bist, weil dein Gruppenfitness-Instruktor „nein“ bei diesem und „nein“ bei jenem geschrien hat oder „keins“ von diesen und „keins“ von jenen oder „mach das nicht“ und „mach jenes nicht“?

Und zum Schluss: Wie oft hast du den Kurs bereits verlassen, ohne von deinem Instruktor ein „Dankeschön“ für deine Aufmerksamkeit und deine Leistung zu hören oder eine Einladung für die nächste Stunde zu bekommen?

Als Instruktor kann es erkenntnis- und aufschlussreich sein, die Classes unserer Kursleiter zu besuchen. Es ist sehr wichtig und hilfreich zu reflektieren, wie der Kurs aus Sicht unserer Teilnehmer – unserer Gäste – ist.

So wie wir Gäste zu uns nach Hause einladen, so laden wir unsere Teilnehmer in unsere Classes ein. Als Kursgastgeber und -gastgeberin wollen wir alles erdenklich Mögliche tun, damit sich unsere Mitglieder wie Gäste fühlen – vom Moment an, in dem sie durch die Türe treten, über die Zeit im Kursraum bis sie wieder gehen.

Um sicherzustellen, dass du der beste Gastgeber aller Zeiten bist, kannst du von Tinas Teenachmittag lernen und diese fünf Tipps berücksichtigen:

  1. Komme frühzeitig an: Sei fünfzehn Minuten vor Kursbeginn bereits da.
  2. Bereite die richtige Stimmung vor: Lege passende Pre-Class-Musik ein, bereite dein Material vor und stelle sicher, dass alles sauber und ordentlich für deine Gäste ist.
  3. Stelle dich selbst vor, heiße deine Gäste willkommen und gib ihnen ein Gefühl von Geborgenheit: Begrüße deine Gäste, sobald sie eintreten, mache sie mit dem, was sie erwartet, vertraut und zeige ihnen, wo sich alles, was sie brauchen, befindet.
  4. Gib positiv formulierte Anweisungen: Wiederhole deine (sinnvollen) Sätze, anstatt deinen Gästen zu sagen, was sie NICHT tun sollen – so bleibt eine positive und ermutigende Atmosphäre bestehen. Zum Beispiel kannst du statt „Mach das nicht“ sagen „Bleib dabei“.
  5. Verteile Komplimente, bedanke dich und lade neu ein: Sag deinen Gästen, dass sie das toll gemacht haben – in der Gruppe oder einzeln. Danke ihnen für ihren Einsatz und ihre Aufmerksamkeit, lade sie ein wiederzukommen.

Wenn du diese fünf einfach umzusetzenden Tipps berücksichtigst, wirst du eine herzliche, einladende, angenehme und ermutigende Kursatmosphäre schaffen, die deinen Teilnehmern hilft, ihre Ziele zu erreichen und wiederzukommen. Sei nicht „Tinas schrecklicher Nachmittagstee“, sei der „beliebteste Gastgeber aller Zeiten“ und biete deinem Kurs einen Rahmen, in dem sie Woche für Woche als willkommene Gäste gerne wiederkommen.

Mary Marcia Brown

Mary Marcia Brown lebt und unterrichtet in Lakeland, Florida, in den USA. Seit der ersten Release unterrichtet sie LES MILLS SPRINT. Mary Marcia hat im Juli 2016 einen Weltrekord über die längste statische Cycling-Class aufgestellt (24 Stunden 7 Minuten 30 Sekunden). Wenn sie gerade keine LES MILLS Kurse unterrichtet, dann organisiert Mary Marcia für die Non-Profit-Organisation PHEEL GOOD Events, läuft im Freien und schreibt für ihre monatliche Kolumne des Running Journals.

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