Emett Lowry erzählt uns, wie ihm die Liebe zu RPM half, Akzeptanz im Studio zu finden.

Für jeden, der sich mit den grundlegenden Fragen der Geschlechtszugehörigkeit auseinandersetzt, kann das Fitnessstudio ein einschüchternder Ort sein – aber es kann auch der Ort des Triumphs und der Akzeptanz werden.

Wenn ich anderen Instruktoren erzähle, dass ich “mein Zuhause gefunden habe, als ich Cycle für mich entdeckte”, nicken sie zustimmend und ihr Blick sagt mir, dass sie wissen, was dieses besondere Programm ausmacht. Jeder RPM-Instruktor kennt das Gefühl, sich mit dem Bike zu verbinden, in die Pedale zu treten und die Musik in das Bewusstsein eintauchen zu lassen. Obwohl man mit einem Gerät verbunden ist, bedeutet RPM sowohl Empowering als auch Befreiung.

Ich dachte nie, dass ein Fitnessstudio ein Ort sein könnte, an dem ich dazugehören könnte, geschweige denn, dass Fitness Teil meines Lebens sein könnte; das macht mein „Homecoming“ so einzigartig. Für mich war die Tür zum Fitnessstudio immer geschlossen, doch RPM veränderte alles.

Es ist ein großes Privileg, dass ich einer der wenigen Transgender-Instruktoren bin. Als Trans-Mann – eine Person, die bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen bekam, sich aber selbst als männlich fühlt – war das Fitnessstudio immer einer der vielen Orte, an denen ich mich unsicher, nicht willkommen und entschieden „anders“ gefühlt habe.

Während ich es schaffte, Belästigungen in den Räumen des Studios auszuweichen, war ich in anderen ähnlichen Situationen bereits körperlicher Gewalt und verbalen Beschimpfungen ausgesetzt gewesen. Das Fitnessstudio ist eine stark geschlechtsbetonte Umgebung, mit einer intensiven Fokussierung auf den Körper. Wegen geschlechtsspezifischer Räume wie den Umkleiden kann das Studio für Trans-Menschen ein gefährlicher Ort sein. Wenn ein Trans-Mensch sich seinem zugeordneten Geschlecht nicht sichtbar „entledigt”, dann hat das Konsequenzen, die bei verletzenden Blicken und Belästigungen anfangen, über Beschwerden gehen und sogar bis hin zu körperlichen Angriffen reichen.

Es gibt keinen anderen Weg herauszufinden, wie Mitarbeiter und andere Mitglieder auf eine Trans-Person reagieren, als in einen Raum zu treten und dort zu sein. Ich hatte so viel Glück bisher. Als ich meine Hormontherapie begann, hatte ich endlich eine Möglichkeit gefunden, mich selbst zu formen; ich hatte alles, was ich brauchte, um Gesundheit, Fitness und Selbstbewusstsein zu finden. Die Kurse von LES MILLS waren dabei ein wichtiger Teil dessen. Durch die Hormoneinnahme hatte ich noch einmal einen inneren Schub bekommen, den ich brauchte, um keine Angst im körper-fokussierten Fitnessstudio zu haben.

RPM war schließlich der Ort, an dem ich mich heute aufgehoben fühle. Ich will nicht lügen – dass im Cycle-Studio gedämmtes Licht war, trug auch dazu bei. Ich schnappte mir also ein Fahrrad in der Ecke, gebeugter Kopf und das Herz rutschte mir runter bis in die Hose. Ich wollte nichts mehr, als in Sicherheit sein und überleben… bis die Musik begann. Wir alle kennen diesen Aha-Moment, wie ein Feuerwerk, eine Erleuchtung. Der Beat und das Bike ließen mich konstant ruhiger werden. Noch mehr, die Energie in diesem Raum und diese Atmosphäre, die durch den Instruktor entstand, zeigten mir, dass ich wirklich willkommen war, und Teil von etwas Besonderem.

Instruktor zu werden, bedeutete für mich, dass meine Identität buchstäblich für jeden sichtbar wurde – keine Kleinigkeit.”

Stellt euch meine Freude vor, als ich merkte, dass Gruppenfitness ein Ort war, an dem ich willkommen geheißen und akzeptiert wurde! Stellt euch meine Erleichterung vor, als ich entdeckte, dass ich ein Teil von “ihnen” wurde und Teil der Gruppe; ich war nie glücklicher zuvor falsch gelegen zu haben. Ab diesem Moment war ich süchtig. Der gemeinsame Weg mit meinem RPM-Kurs war mein tägliches Highlight und von wesentlicher Bedeutung für meine persönliche Reise. Von Training zu Training wurde ich schneller, stärker, fitter und selbstsicherer. Durch das Erklimmen der Berge im Studio, fühlte ich mich gerüstet, auch die vor mir liegenden symbolischen Berge anzugehen. Dieser Part meiner Reise ist in vielen Teilen wie der eines jeden anderen; diese Leidenschaft brachte mich auf den Weg zum Unterrichten, an die Grenzen meiner Komfortzone.

Instruktor zu werden, bedeutete für mich, dass meine Identität buchstäblich für jeden sichtbar wurde – keine Kleinigkeit. Es gab einige Leute, die mich vom Training abzubringen versuchten, da sie besorgt waren, dass nicht alle Mitglieder mit meiner Identität klarkommen könnten. Wieder einmal wurde ich daran erinnert, dass mein Körper eine Belastung darstellte – ich wurde nicht immer als männlich wahrgenommen, was oft zu unangenehmen Situationen mit Mitgliedern und anderen Instruktoren führte. Auf die Bühne zu gehen, bedeutete, dass sich diese Situationen noch verschlimmern konnten. Mit einem Trans-Körper auf der Bühne zu unterrichten, half effektiv zum eigenen Körper zu stehen.

Ich bin dankbar, dass die richtigen Menschen an mich glaubten. Ich war ebenso mit einem unterstützenden Trainer gesegnet, wie auch mit meinem GFM und den Teammitgliedern zuhause. Wie Glen, ließ ich ein “Nein” nie gelten. Ich habe immer daran geglaubt, dass Gruppenfitness für jeden (Körper) gemacht ist. Unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht, Orientierung, Glaube oder Talent – für jeden gibt es einen Platz in Gruppenfitnesskursen. Seit dem ersten Tag versuche ich diese Philosophie in meinen Kursen zu verkörpern. Und über die Jahre hinweg konnte ich sehen, dass meine Teilnehmer diese Philosophie weitertragen. Seit wir zusammen sind, wurde ich zweimal als RPM-Finalist beim kanadischen “The One” ernannt, eine unglaubliche Bestätigung meiner holprig beginnenden Reise.

In diesem Jahr habe ich meine Brust rekonstruieren lassen, eine teure und schmerzhafte Operation. Ich kehrte nach sechs Wochen – buchstäblich – als vollkommen neuer Mann “nach Hause” zurück. Für mich ist es eine Ehre und ein Privileg Woche für Woche auf das Bike zu steigen, meinen Mitgliedern zu helfen, sich so gut zu fühlen wie ich. Dieses Jahr erstrahlte mein Kurs in einem ganz neuen Schein. Zum ersten Mal fühlte ich mich wirklich #limitless.

Ich sehe mich dazu veranlasst, über meine Reise zu sprechen, weil die Trans-Community eine komplizierte Beziehung zu Fitness führt. Auf der ganzen Welt nehmen Trans-Menschen weniger an Fitnessaktivitäten teil als andere, als abschreckend angeführt werden Unbehagen und die Angst sich sicher zu fühlen. Das Fitnessstudio kann ein einschüchternder Ort sein, weil die Beziehung zwischen Trans-Menschen und ihren Körpern kompliziert ist; es ist erschütternd und entmutigend sich in seiner Haut unwohl zu fühlen, als würde sie einfach nicht zu dir passen. Für viele Trans-Menschen sind dieses Unwohlsein und diese Identitätsproblematik erdrückend, weswegen sie körperliche Aktivitäten und Fitness meiden.

Ich weiß nur von zwei anderen Trans-Instruktoren weltweit, aber ich bin mir sicher, dass es so viele mehr geben könnte, wenn sich alle in den Studios willkommen fühlen würden. Deswegen ist es so wichtig, diese Story zu teilen und der Trans-Community zu zeigen, dass alles möglich ist und unserer gesamten Instruktoren-Community mitzuteilen, wie wunderschön und verschieden wir sind. Mit ein wenig Antrieb und harter Arbeit kann jeder von überall her Part of the TRIBE werden. So wie sich LES MILLS weiterentwickelt, wird auch in der Praxis sichergestellt, dass Fairness und Inklusion Platz für alle bieten. Ich glaube an uns und ich fordere uns heraus, dass wir weitermachen und eine inklusive, unterstützende Umgebung schaffen, in der sich alle, die ein Part of the global TRIBE werden wollen, willkommen fühlen.

Emmett Lowry ist seit fünf Jahren Instruktor. Er ist in Ontario, Kanada, zuhause und unterrichtet RPM sowie CXWORX. Folgt Emmett auf Instagram @rpemmett

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