FITNESS-MYTHEN: WIE SIE FAKTEN VON FIKTION UNTERSCHEIDEN

So unterscheiden Sie Fakten von Fiktion, wenn es um gewagte Gesundheits- und Fitness-Behauptungen und sogenannte „Experten“-Ratschläge geht

Die Fitnessbranche ist erstaunlich, voller positiver Energie und großartiger Menschen, die daran arbeiten, zu einer besseren Version ihrer selbst zu werden – und andere dazu motivieren, es ihnen gleich zu tun. Leider gibt es aber einen Aspekt, der unsere Branche immer wieder in Verruf bringt: In der Fitnesswelt wimmelt es von falschen und irreführenden Informationen.

Überbewertete Übungen, unsinnige „Tricks“, unglaubwürdige Studien, … Die Liste ist endlos. Und das schon seit Jahrzehnten. Nehmen wir zum Beispiel Bauchmuskeltraining. In den 1950er Jahren wurde die Behauptung aufgestellt, dass Crunches Bauchfett zum Schmelzen bringen würden, in den 1980er Jahren kamen „Taillentrainer“ auf den Markt, um die Körpermitte zu formen, und heute ist elektrische Muskelstimulation der neueste Schrei, um „stahlharte Bauchmuskeln“ zu bekommen. Eines haben alle gemeinsam: Sie sind völlig wirkungslos. Und alle führen dazu, dass schlecht informierte Hobbysportler enttäuscht werden und die Motivation verlieren, da die versprochenen Resultate ausbleiben.

Die Welt des Sports ist überschwemmt von falschen und irreführenden Informationen über Fitness. Das Letzte, was wir brauchen, sind Menschen, die ihr Training aufgeben, weil sie das Gefühl haben, von der Fitnessbranche im Stich gelassen worden zu sein.

Angesichts des globalen Ziels, den Bewegungsmangel der Bevölkerung bis 2030 um 15 Prozent zu reduzieren, ist es das Letzte, was wir brauchen, dass Menschen aufgeben, weil sie das Gefühl haben, wir hätten sie im Stich gelassen.

Stattdessen müssen wir den Menschen helfen zu lernen, wie sie falsche Fakten und verzerrte Empfehlungen erkennen können. Wir haben mit der Fitnesswissenschaftlerin Dr. Jinger Gottschall gesprochen und sie nach ihren Top-Tipps gefragt. Sie erklärt, woran man echte Experten erkennt, wie man Forschungsergebnisse entschlüsselt und Entscheidungen trifft, die auf den individuellen Bedürfnissen basieren – und nicht auf dem neuesten Fitnesstrend.

Viele behaupten von sich, Experten zu sein, doch was macht eigentlich einen Experten aus?

Dr. Jinger Gottschall: „Ein Experte ist jemand mit umfassender Ausbildung, Erfahrung und Wissen auf einem bestimmten Gebiet, normalerweise mit einem klaren Themenfokus. Wenn Sie einen Experten suchen, achten Sie auf akademische Abschlüsse und Zugehörigkeit zu akademischen Einrichtungen oder Regierungsbehörden.“

Was sind verräterische Anzeichen für überzogene oder falsche Behauptungen?

„Achten Sie auf alle Phrasen, die auf eine schnelle Lösung mit extremen Ergebnissen hindeuten. Langfristige Veränderungen in der Körperzusammensetzung wie Fettabbau oder Muskelaufbau brauchen Zeit und Mühe. Personen, die in kurzer Zeit spektakuläre Ergebnisse erzielt haben, haben dies wahrscheinlich nicht auf nachhaltige Weise getan. Seien Sie auch vorsichtig mit Vorher-Nachher-Fotos – heutzutage ist es sehr einfach, Ergebnisse zu manipulieren!“

Wissenschaftlich untermauerte Aussagen sind wichtig. Was sind die wichtigsten Dinge, auf die man achten sollten, wenn man auf der Suche nach hochwertigen, wissenschaftlich fundierten Informationen ist?

„Social-Media-Beiträge von Einzelpersonen sind oft nicht validiert. Suchen Sie nach Quellen wie akademischen Einrichtungen, wissenschaftlichen Zeitschriften, Regierungsorganisationen oder staatlichen Verbänden. Beurteilen Sie den Autor, die Quellen und die Publikation auf ihre Glaubwürdigkeit. Hat der Autor Erfahrung mit dem Thema? Zitiert er echte Experten auf dem Gebiet? Stammt die Publikation aus einer seriösen Quelle? Verlassen Sie sich auf Quellen, die von Experten geprüfte Zeitschriftenartikel zitieren. Und überprüfen Sie das Datum! Quellen, die älter als ein paar Jahre sind, könnten nicht mehr relevant sein.“

Forschung ist nicht gleich Forschung. Können Sie den Unterschied zwischen unabhängiger Forschung und nicht-unabhängiger Forschung erklären?

Es gibt mehrere Definitionen bezüglich unabhängiger und nicht-unabhängiger Forschung. Wenn ein Unternehmen seine eigenen Studien unabhängig finanziert, handelt es sich in der Regel um nicht-unabhängige Forschung und wird als Marketing-Information behandelt. Im Gegensatz dazu stammt die unabhängige Forschung von einer externen Quelle und umfasst die erforderlichen Forschungsprotokolle.“

„Bei LES MILLS verfolgen wir eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze, um unsere Fitnessprogramme wissenschaftlich zu untermauern. Im Laufe der Jahre haben viele unabhängige Wissenschaftler Studien zu den verschiedenen LES MILLS Programmen veröffentlicht. Das Forschungsteam von LES MILLS war an diesen Studien nicht beteiligt. In einigen Fällen arbeiten Fachexperten von LES MILLS gemeinsam mit externen Forschern an Projekten, die anschließend von Fachleuten begutachtet und unabhängig in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht werden. Das LES MILLS Forschungsteam führt auch viele nicht-unabhängige interne Forschungen und Tests durch, die dazu beitragen, die Übungen für bestimmte Workouts zu entwickeln." Bryce Hastings, Head of Research bei LES MILLS

Es gibt eine Menge Fachausdrücke aus dem Forschungsbereich – was bedeutet das alles?

„Bei einer systematischen Überprüfung tragen Forscher einfach alle Forschungsarbeiten zu bestimmten Begriffen oder Themen zusammen und berichten über ihre Ergebnisse. Eine Metaanalyse geht noch einen Schritt weiter, indem sie statistische Verfahren zur Analyse der kombinierten Ergebnisse einschließt – und so eine gründlichere Schlussfolgerung liefert. Eine klinische Studie ist eine Forschungsstudie, bei der menschliche Teilnehmer einem bestimmten System zugewiesen werden, um dessen Auswirkungen zu bewerten. Bei einer randomisierten kontrollierten Studie werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip zugewiesen, und es gibt ein zweites System zum Vergleich. Wenn eine klinische Studie die Bewertung von Variablen über einen längeren Zeitraum hinweg umfasst, handelt es sich um eine Längsschnittstudie. „Peer-reviewed“ steht für den Prozess der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in einer angesehenen Zeitschrift. Die Redakteure senden das Dokument zur Qualitätsbewertung an zwei bis drei Experten auf dem Gebiet. Diese Experten stellen sicher, dass alle angemessenen Methoden, Statistiken und Schlussfolgerungen in das Manuskript aufgenommen werden.“

Welcher Art von Forschung und Experten kann man also vertrauen?

„Ich persönlich orientiere mich immer an dem, was die Experten in Fachzeitschriften veröffentlichen. Wenn eine bestimmte Trainingsmethode oder Übungsanleitung in einem kontrollierten Experiment getestet wurde, dann sind die Chancen größer, dass Sie die gewünschten Ergebnisse erzielen werden. Wenn nicht, versuchen Sie es mit alternativen Methoden. Vergewissern Sie sich jedoch, dass sie gesundheitlich unbedenklich und von Dachverbänden wie dem ACSM (American College of Sports Medicine) oder der AHA (American Heart Association) anerkannt sind."

Was ist Ihr letzter Ratschlag?

„Seien Sie sich einfach bewusst, dass es sehr leicht ist, Behauptungen aufzustellen, aber schwer, sie zu belegen. Ein gutes Beispiel ist der „vibrierende Gürtel“ zur Reduzierung von Bauchfett. Es gab auch schon Cellulite reduzierende Kompressionshosen – von denen will ich gar nicht erst anfangen!"

3 Tipps zum fakten-check

  1. Folgen Sie dem Rat echter Experten (nicht von Influencern).
  2. Vorsicht vor „schnellen Lösungen“ und „wundersamen Transformationen“. Eine nachhaltige Veränderung der Körperzusammensetzung braucht Zeit und Mühe.
  3. Befolgen Sie wissenschaftlich fundierte Empfehlungen idealerweise auf der Grundlage von Forschungsergebnissen, die in von Experten begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.

Möchten Sie mehr über drei wissenschaftlich belegte Fitness-Fakten erfahren?

EIN STARKER CORE KANN DIE LAUFLEISTUNG VERBESSERN

Eine Studie aus dem Jahr 2019, die im Journal of Sports Medicine and Physical Fitness veröffentlicht wurde, zeigte, dass LES MILLS CORE Workouts die Laufleistung verbessern können und sich vorteilhaft auf die Verbesserung der Gelenksymmetrie zur Verringerung von Verletzungen, auf das Training der tiefen Hüftmuskulatur zur Ausrichtung der Knie und auf das Bauchmuskeltraining zur effizienten Kraftübertragung auswirken. Lesen Sie hier mehr.

ZWEI WOCHEN YOGA KÖNNEN DIE SCHLAFQUALITÄT STEIGERN UND ANGSTZUSTÄNDE LINDERN

Eine Studie aus dem Jahr 2020, die im Journal of Medicine and Science in Sports and Exercise veröffentlicht wurde, belegt, dass sich BODYBALANCE positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirkt. Lesen Sie hier mehr.

KALORIEN SIND NICHT GLEICH KALORIEN

Eine 2017 im Journal of Science and Medicine in Sport veröffentlichte Studie zeigte, dass Krafttraining – in Form von BODYPUMP – die Fettverbrennung und andere positive Reaktionen im Körper weitaus stärker anregt, als es die Kalorienzahl vermuten lässt. Lesen Sie hier mehr.

Dr. Jinger Gottschall

Als leidenschaftliche Fürsprecherin für körperliche Aktivität hat Dr. Gottschall ihre Karriere der Entwicklung von Programmen gewidmet, die einen ausgewogenen, gesunden Lebensstil fördern und gleichzeitig die versprochenen Resultate liefern. Dazu hat sie zahlreiche Studien zur Erforschung der Wirksamkeit von Bewegung geleitet und das Gruppenfitnessstudio FITOLOGY gegründet. Sie erwarb ihren Doktortitel in integrativer Physiologie an der University of Colorado in Boulder und setzte dann ihre akademische Karriere als Postdoktorandin in Neurophysiologie an der Emory School of Medicine und als außerordentliche Professorin in Kinesiologie an der Pennsylvania State University fort. Derzeit ist Dr. Gottschall außerordentliche Professorin in der Abteilung für Verhaltensforschung an der Columbia University.