Ein Leben wie ein Wunder – Kämpferin Magda Newman im Porträt

In der Instruktoren-Story erzählt Magda Newman, wie ihr BODYPUMP nach einer schwierigen Krankheit geholfen hat, Stress zu reduzieren und so kräftig und gesund zu werden. Dass sie dabei noch einen Sohn aufgezogen hat, der am gleichen seltenen Syndrom wie der Protagonist im Kinofilm Wunder leidet, lässt Magda zur wahren Wonder Woman werden.

In Magda Newmans polnischer Kindheit war das Thema Fitness nicht präsent. Sie zeigte früh musikalisches Talent und nahm bereits im Alter von sechs Jahren an Wettbewerben im klassischen Piano teil. Da ihre Musiklehrer immer wieder betonten, wie wichtig es sei, auf ihre Finger aufzupassen, mied sie schon früh Sport in der Freizeit und im Schulunterricht.

Die Musik bestimmte Magdas Leben bis zum Schulabschluss, doch als ihr Sohn Nathaniel geboren wurde, änderte sich einiges in ihrem Leben. Bei Nathaniels Geburt wurde das Treacher-Collins-Syndrom diagnostiziert. Als Magda ihn das erste Mal sah, stellte sie fest, dass er ohne Ohren geboren wurde. Wie sollte er Musik hören? Und welche gewichtigeren Probleme würde die Krankheit noch für ihn bedeuten?

Das Treacher-Collins-Syndrom zeigt sich bei jedem Menschen in unterschiedlicher Weise – die Charakteristika bei Nathaniel waren defomierte Gesichtsknochen. Seine Wangenknochen lagen hinter der Nasenwand, was das Atmen durch die Nase unmöglich machte. Ohne Wangenknochen hängen wiederum die Augen. Die unteren Augenlider fehlten komplett. Sein Unterkiefer war unverhältnismäßig klein, hinderten ihn jahrelang daran mit dem Mund zu essen, weswegen er sich lieber auf eine Gastronomiesonde verließ. Bis Nathaniel mit 13 Jahren einer bahnbrechenden Operation unterzogen wurde, hat er mit einer Tracheostomie geatmet. Aufgrund seiner kraniofazialen Fehlbildung hat er bis heute insgesamt 67 Operationen über sich ergehen lassen müssen.

Um Nathaniel die Hilfe zukommen zu lassen, die er benötigt, hat die Familie von Anfang an eng mit den Ärzten des NYU Medical Centers zusammengearbeitet. Auch vor der Schwangerschaft mit dem zweiten Sohn Jacob konsultierte die Familie Genetiker – Jacob wurde ohne Komplikationen geboren.

Magda hingegen hatte inzwischen viele fragliche Symptome. Nach der Geburt von Jacob verlor sie innerhalb einer Woche 35 Kilo. Sechs Monate später war sie schwach, hatte unerklärliche Rückenschmerzen und fühlte sich oft so, als würde sie einen Herzinfarkt erleiden. Ihr wurde immer wieder gesagt, dass das alles nur in ihrem Kopf stattfinde und eine postpartale Depression fehldiagnostiziert.

Schließlich fand ein Arzt die tatsächliche Ursache heraus: “Tumore drückten an zwei Stellen auf meine Wirbelsäule, wodurch ich nicht mehr in der Lage war zu laufen. Ich dachte, dass ich einen Herzinfarkt erlitt, weil die Tumore direkt auf mein Herz drückten. Als ich die Diagnose Krebs bekam, war ich bereits im letzten Stadium, ich hätte vielleicht noch acht Wochen zu leben gehabt.”

Im Alter von 27 Jahren wurde ihr Non-Hodgkin-Lymphom acht Monate lang mit Chemotherapie behandelt. Ihr Onkologe sagte, entweder wird die Chemo „heilen oder töten“. Die Chemotherapie heilte Magda sie.

Ein Jahr später – noch immer schwach von der Behandlung – bekam Magdas Ehemann Russel einen Job in Conneticut (nordöstlich von NYC) angeboten. Die Familie zog um. Eines Tages fragte ein Freund, ob Magda mit ihm zum Gruppenfitnesstraining gehen möchte. Für Magda zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar. „Wie soll ich ins Fitnessstudio gehen? Schau mich an! Ich bin eine kranke Frau, habe gerade erst meine letzte Chemotherapie bekommen.“

Doch der Freund ließ nicht locker. „Ich dachte, ich würde mich ganz hinten verstecken, die leichtesten Gewichte die es gibt nutzen“, erinnert sich Magda. Hätte ihr damals jemand gesagt, dass dieser eine Kurs ihr Leben verändern wird, sie hätte es nicht geglaubt. „Ich war vom ersten Moment als die Musik begann süchtig.“ Vom Instruktor über die Hingabe der Leute um sie herum bis hin zu den auffallend „coolen und bunten Sport-Outfits“, die die Teilnehmer trugen, war sie einfach nur begeistert.

„Ich hatte endlich einen Platz zum Glücklichsein gefunden“, sagt Magda. „Meinem Freund habe ich gesagt, dass ich nur wegen dieser Class weiterhin ins Fitnessstudio Studio gehe.

Diese „kranke Frau“ mit ihren Wirbelsäulenfrakturen und lang anhaltenden Schädigungen durch die Chemotherapie besuchte den Kurs nun drei- bis viermal pro Woche. Langsam, aber sicher platzierte sie sich nicht mehr hinten, kam immer weiter nach vorne. Die Zeit, die sie im Studio verbrachte, gehörte nur ihr allein.

„Ich hatte nie zuvor in meinem Leben trainiert, aber ich wollte nun Muskeln aufbauen. Da waren ja keine – nur hängende Haut.“ Die Veränderung nahm Magda im Spiegel wahr. „Ich begann das zu lieben, was ich sah. Ich sah nicht mehr krank aus. Meine Muskeln begannen sichtbar zu werden so konnte ich meinen Bizeps, Trizeps und meinen Quadrizeps sehen. Ich fühlte mich, als könnte ich Bäume ausreißen.“

Ein Jahr später beschloss Magda Instruktorin zu werden. „Ich dachte auf einmal, dass ich ja eigentlich Konzertpianistin bin und mir etwas fehlte. Mir fehlte die Bühne, das war es. Also sagte ich mir, dass ich stattdessen unterrichten sollte, was ich liebe!“ Nach einer Unterhaltung mit ihrem Ehemann beschloss Magda, den Weg zu gehen. „Fitness ist meine Berufung, meine Leidenschaft. Mein Herz schlägt schneller, sobald ich den Kurs betrete.“ Sie merkte, dass ihr der Kurs den gleichen Endorphinrausch bescherte, den sie damals so liebte, als sie auf der Bühne Klavier spielte.

Sie meisterte ihr Ziel ohne Hindernisse und wurde zertifizierte Instruktorin. Sie liebte es Menschen zu helfen, besonders denjenigen, die nach Verletzungen wieder aufbauen mussten. Doch eines Tages während sie unterrichtete, blockierte plötzlich Magdas Hüfte. Sie konnte keinen Squat mehr ausführen. Bei einem Arztbesuch erfuhr sie, dass die Chemotherapie ihre Hüfte angegriffen und zerstört hat, so dass sie ein neues Hüftgelenk brauchte. Die meisten Menschen mit dieser Diagnose hätten riesige Schmerzen durchlitten, doch Magdas Nerven waren von der Chemotherapie so stark beschädigt, dass sie die Anzeichen nicht wahrnahm.

Acht Wochen nach ihrer Operation unterrichtete Magda bereits wieder. Ihre Ärzte waren beeindruckt von ihrer körperlichen Fitness und erklärten ihr, dass nichts gegen den Wiederbeginn spreche.

Als die Familie aufgrund von Russels Arbeit und auch um näher an Nathaniels Ärzteteam zu sein, nach Reno, Nevada, zog, suchte Magda nach einem neuen Studio. Als sie eines gefunden hatte, das BODYPUMP anbot. Sie liebte die Einfachheit der Bewegungen, die Sicherheit, die Vielseitigkeit, den Spaß und natürlich auch die großartigen Resultate, die mit BODYPUMP erreicht werden können.

Eines Tages begann Magda während der Class zu husten. Als die Ärzte ihr sagten, dass sie Krebs – und zwar dieses Mal eine andere Art – der Stufe vier habe, konnte sie es nicht fassen. Ihr wurde eine spezielle Behandlung für das Hodgkin-Lymphom der vierten Stufe empfohlen, das nur in New York oder Seattle behandelt werden konnte. Der Tumor war einmal um ihre Luftröhre gewickelt. „Mir wurde gesagt, dass ich ohne diese Behandlung in fünf oder sechs Tagen ersticken würde.“

Tage später begann sie mit einer aggressiven Chemotherapiebehandlung in Seattle. Alle 21 Tage bekam sie an fünf aufeinanderfolgenden Tagen Chemotherapie mit acht Einheiten. Jedes Mal, wenn sie für ihren fünftägigen Krankenhausaufenthalt packte, nahm sie ihre Leichtgewichthanteln, Kettlebells und ihre BODYPUMP-Releases mit, um motiviert und fit zu bleiben. „Ich wollte nicht wie eine kranke Frau aussehen. Mental gesehen wollte ich meinem Körper etwas Gutes tun und den Stress reduzieren. Ich wollte nicht mehr an den Krebs denken. Mein nächstes Ziel war es ein Studio zu finden und zu unterrichten.“

Und wieder besiegte sie den Krebs. Wenig später hatte sie bei Gold’s Gym eine Aufnahmeprüfung und wurde ins Team aufgenommen. Und wenn das alles nicht schon genug wäre, hatte Nathaniel zu dieser Zeit auch noch viele Eingriffe aufgrund seiner kraniofazialen Fehlbildung.

Fitness war Magdas Ausweg. „Anstelle von Antidepressiva, Alkohol oder irgendetwas anderem war Fitness meine Medizin, mein Ausweg. Ich wollte nicht shoppen und Geld ausgeben gehen, um mich besser zu fühlen, ich wollte einzig und allein BODYPUMP unterrichten. Ich liebe es zu schwitzen! Du fühlst dich, als hättest du etwas Großartiges erreicht, wenn du dich körperlich betätigst und Gewichte stemmst. Für mich persönlich ist es die Stunde BODYPUMP, die mich zu einem besseren Menschen, einer besseren Mutter und Ehefrau werden lässt.“

Unglaubliches geschah auch bei Nathaniel. Der Kinofilm Wunder mit Julia Roberts und Owen Wilson wurde Ende 2017 veröffentlicht. Die Geschichte – nach einem Kinderbuch von R. J. Palacio – handelt von dem fiktiven Charakter Auggie, der wie Nathaniel am Treacher-Collins-Syndrom leidet. Die Autorin traf Nathaniel bei seinen Vorbereitungen am NYU Medical Center und lud ihn ein, gemeinsam mit ihr Schulen zu besuchen, um mehr Aufmerksamkeit auf die Krankheit zu lenken und die Botschaft des Buches für mehr Akzeptanz und Miteinander zu verbreiten.

Nathaniel wurde sogar für die Hauptrolle des Films in Betracht gezogen, erzählt Magda, aber eine geplante größere Operation überschnitt sich mit dem Drehplan. Dafür findet sich ein Teil von Nathaniel in der Maske des Protagonisten, gespielt von Jacob Tremblay, wieder. „Sie haben versucht, das Gesicht von Auggie an das von Nathaniel anzupassen.“

Die ganze Familie Newman besuchte das Filmset und auch bei der Premiere in Hollywood waren sie dabei, obwohl Magda noch immer Chemotherapie bekam. „Der Film Wunder hat Aufmerksamkeit auf jede Art von Beeinträchtigung gezogen“, sagt Magda. „Nathaniel lenkt die Blicke auf dem Spielplatz nicht mehr so stark auf sich wie zuvor. Viele, vor allem Kinder, finden es toll, dass er anders ist. Es hat so Vieles verändert.“

Heute geht es Nathaniel besser, nachdem er seine letzte große Operation gut überstanden und ein Jahr Heilungsprozess hinter sich hat. Magda schreibt zwei Bücher über diese Zeit: ein Buch über ihre eigenen Erfahrungen und eines über Nathaniels Leben und wie er weiterhin seine Herausforderungen meistert.

Natürlich unterrichtet Magda auch weiterhin BODYPUMP und widmet sich dem Krafttraining und ihrer Gesundheit. Gerade weil sie mit BODYPUMP sicher trainieren kann, obwohl sie eine Wirbelsäulenfraktur erlitten hatte, eine künstliche Hüfte besitzt und noch immer mit den Folgen der Chemotherapie lebt, schätzt sie das Programm besonders. „Das ist doch ein perfektes Beispiel dafür, wie sicher es ist. Im Grunde steht man immer auf einer Stelle, die Wirbelsäule ist aufgerichtet und die Muskeln werden aufgebaut“, sagt sie. „Du kannst dich aufgrund der klaren Gelenkausrichtung nicht verletzen. Es funktioniert, es funktioniert wirklich und das liebe ich – und dass es mein Leben verändert hat.“

Photo Credit: Stephanie Rubyor Photography