“JEDE CLASS KANN SICH WIE EIN FILMING ANFÜHLEN, WENN DU DIE RICHTIGE EINSTELLUNG MITBRINGST”

Während seines Studiums verliebte Reagan Kang sich in RPM und wurde im Alter von 19 Jahren Instruktor. Er erzählt uns, warum das Filming von BODYCOMBAT seine bisher größte Herausforderung war.

Sarah Shortt:

Hi Reagan! Du warst einer der Shadow Presenter bei der BODYCOMBAT United Release. Wie war es für dich, von zu Hause aus in Malaysia zu filmen?

Reagan Kang:

Es war echt eine Herausforderung. Ich durfte aufgrund der Quarantäne mein Haus nicht verlassen. Darum konnte ich mir kein schönes Plätzchen im Freien suchen. Ich kaufte mir eine Trennwand, um mein Schuhregal zu verdecken, hatte aber nicht viel Platz zur Verfügung. Alle anderen im Video hatten wunderschöne Hintergründe und dann war da ich, mit meiner Trennwand vor dem Schuhregal, haha!

Wie bist du in der Fitnessbranche gelandet?

Als Jugendlicher war ich Leistungsschwimmer. Ich begann mit sieben Jahren und gab den Sport auf, als ich 15 war. Ich musste mich entscheiden, ob ich auf eine Sportschule oder eine normale Schule gehen wollte und entschied mich für Letzteres. Damals trainierte ich acht Stunden am Tag: Von 5-9 Uhr und von 16 - 18 Uhr. Und irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr darauf. Das Training war eintönig. Ein einziges Starren auf die schwarze Linie am Boden des Schwimmbeckens.

Von heute auf morgen machte ich überhaupt keinen Sport mehr. Ich hatte viel für die Schule zu tun und begann, zuzunehmen. Irgendwann schlug mein Vater vor, ich solle mich im Fitnessstudio anmelden. Ich begann mit Krafttraining, doch eines Tages sah ich, wie eine Gruppe im Kursraum völlig an ihre Grenzen ging – es war eine RPM Class. Ich beschloss, es auszuprobieren und war sofort begeistert. Diese Art von Ausdauertraining kam von der Intensität her sehr nah an mein damaliges Schwimmtraining heran. Ich begann mit einer Class und dann zwei Classes am Tag. Irgendwann fragte mich einer der Instruktoren, ob ich nicht Lust hätte, selbst Instruktor zu werden. Damals war ich 19.

Du besitzt zwei Fitnessstudios in Malaysia. Wie bist du mit den Herausforderungen während der Corona-Krise umgegangen?

Es war eine harte Zeit. Die Studios haben einen enormen Umsatzeinbruch verzeichnet. Wir haben versucht, möglichst schnell zu reagieren und Online-Classes anzubieten. Als neuer Geschäftsinhaber war das für mich eine ziemlich steile Lernkurve.

Das Geschäft muss irgendwie weiterlaufen, und man muss ja auch seine Miete bezahlen. Ich musste mit einer Menge Zahlen hantieren. Man muss sich entscheiden, ob man einen Kredit aufnehmen will und überlegen, wie lange das Geschäft noch so überleben kann. Ich frage mich ständig: War das die richtige Entscheidung? Was können wir tun, um trotz der Situation, relevant zu bleiben?

„Was mich immer motiviert hat war das Wissen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Wenn ich mich so fühle, haben bestimmt auch viele andere das gleiche Gefühl.“

Wie ist es für dich, online zu unterrichten?

Es gefällt mir. Und ich finde es großartig, erst 15 Minuten vor einer Class aufzustehen und nicht mit dem Bus oder Zug zur Arbeit fahren zu müssen. Ich bereite schon am Abend alles vor und habe dadurch viel mehr Zeit. Man spricht zwar nur in eine Kamera, doch sobald alles vorbereitet ist und alle Teilnehmer da sind, macht es eigentlich keinen Unterschied mehr. Manchmal habe ich 50, 60 Kursteilnehmer, und sie sind begeistert.

Wir posten auch viel in den sozialen Netzwerken, um die Mitglieder auch außerhalb der Class zu motivieren. Es nehmen auch Mitglieder an den Online-Classes teil, die wir in den Kursräumen bisher nicht gesehen haben.

Du warst schon bei vielen Masterclass-Filmings dabei. Was waren für dich die größten Herausforderungen?

Eine der größten Herausforderungen für mich war das Filming von BODYCOMBAT 67, denn BODYCOMBAT ist eines meiner schwächsten Programme. Ich habe das Gefühl, dass ich es nicht besonders gut unterrichte, weil ich mich in meinen Bewegungen noch nicht sicher fühle. Wenn ich neben Dan oder Rach stehe fühle ich mich einfach nicht so selbstbewusst wie bei BODYPUMP™ oder GRIT™.

Darum war ich ziemlich unter Druck. Doch am Ende des Tages war der Wille, etwas zu lernen wichtiger als die Angst vorm Versagen. Ich bin während der Filming-Runden körperlich und mental stark an meine Grenzen gegangen. Die ersten drei Releases waren wahrscheinlich die schwierigsten, die ich je gemacht habe.

Wie hast du das überstanden?

Ich war unglaublich dankbar für Dan und Rach, die mittlerweile gute Freunde geworden sind. Dan gab mir wertvolle Tipps für mein Training und lernte mir, wie ein echter Kampfsportler oder Boxer auszusehen. Ich machte mir bei jedem Filming Notizen und sah mir meine Leistung danach an, um zu sehen, was ich beim nächsten Mal anders machen und wo ich mich verbessern könnte. Bei BODYCOMBAT 70 begann es, sich natürlicher für mich anzufühlen. Ich fand irgendwie meinen Flow.

Du hast das Advanced Training absolviert. Erzählst du uns, warum du Instruktor geworden bist und welche Ängste du hattest?

Der Grund, warum ich als Instruktor arbeite, ist, dass es mich erfüllt, Menschen den Tag zu verschönern. Ich will, dass es den Leuten Spaß macht. Und finde es großartig, wenn Teilnehmer zum ersten Mal meine Class besuchen, ich sehen kann, dass es ihnen wirklich Spaß macht und sie mir am Ende der Class sagen „Ich komme wieder.“ Das ist das schönste Gefühl.

Trotzdem habe ich manchmal Angst, nicht gut genug zu sein. BODYCOMBAT ist das beste Beispiel. Die Leute sehen meine Performance in einer Masterclass und denken sich „Wow, das sieht super aus.“ Ich aber sehe, dass ich nicht gut genug war.

Was tust du gegen deine Ängste?

Üben, üben, üben. Ich versuche, nicht im Selbstmitleid zu versinken, sondern nehme die Dinge in die Hand.

Du hast bei diversen Masterclasses vor einem riesigen Publikum unterrichtet. Hast du auch schon sehr kleine Gruppen unterrichtet?

Ich begann mit dem Unterrichten, als ich 19 war. In diesem Alter geht man am Wochenende aus, macht Party und hängt mit Freunden ab, doch ich war so aufs Unterrichten fokussiert, dass ich mich tatsächlich für eine Freitagabend-Class um 21.30 Uhr meldete.

Der Kursraum war ziemlich groß und als ich das erste Mal dort unterrichtete, waren gerade mal zwei Teilnehmer da. Aber ich fand es großartig! Das Gefühl damals war nicht anders als heute, wenn ich vor hunderten von Menschen unterrichte. Ich hatte denselben Drang, die Menschen, die vor mir standen, zu motivieren. Und mit der Zeit kamen immer mehr Teilnehmer, erst fünf, dann zehn, dann 15. Es war eine großartige Zeit. Ich war der durchgeknallte Instruktor, der an einem Freitagabend mit seiner Gruppe Gewichte stemmte und sich die Seele aus dem Leib schrie, während das Fitnessstudio quasi leer war.

Hast du lustige Anekdoten von Videodrehs, die du mit uns teilen möchtest?

Oh ja. Mein erstes BODYPUMP Filming war Release 93. Ich unterrichtete den Back Track. Bevor ich die Bühne betrat, cremte ich mir die Hände mit einer Feuchtigkeitslotion ein. Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, warum ich das getan habe. Ich war beim Back Track mitten in einer Clean & Press und plötzlich rutschte mir die Stange einfach aus den Händen. Es fühlte sich an, als wäre eine Bombe eingeschlagen und aus dem Publikum hörte man nur „Oooooh”. Ich stand da wie angewurzelt. Das erste, was ich sagte war „Hey Jackie [Mills], bin ich gefeuert?”

Es war so witzig. Alle (und es war ein wirklich großes Stadion) lachten herzlich. Jetzt sage ich den Instruktoren immer: Cremt euch vor einem Filming auf keinen Fall die Hände ein.

„Mein limitierender Glaubenssatz ist, dass ich nicht genug genug bin. BODYCOMBAT ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn andere meine Performance sehen denken sie ‚Wow, das sieht toll aus‘. Aber meine Wahrnehmung ist, dass es nicht gut genug war.“

Du warst sehr jung, als du beim ersten Masterclass-Filming dabei warst. Hat es dich eingeschüchtert neben Menschen wie Glen Ostergaard zu unterrichten?

Ganz und gar nicht. Ich genoss jede Sekunde. Ich kam mit offenem Herzen und voller Wissensdurst nach Neuseeland. Ich war einfach ein junger Typ aus Asien. Und ich sagte mir die ganze Zeit, dass das mein letztes Filming sein könnte. Jedes Filming könnte das letzte sein. Warum also Angst haben oder nervös sein? Jede Sekunde, jede Minute, in der wir Angst haben oder nervös sind, ist verschwendete Zeit, in wir etwas Neues lernen können. Ich wollte dazulernen, neues Wissen mit nach Hause nehmen und mich gut fühlen.

Du hast eine erfolgreiche Karriere als Trainer und Presenter eingeschlagen. Welchen Rat würdest du Instruktoren geben, die dasselbe Ziel haben?

Konzentriere dich auf deine alltäglichen Classes. Denn das ist das echte Leben.

Mir macht es wirklich Spaß, normale Classes zu unterrichten, da ich dort täglich im Leben der Teilnehmer etwas verändern kann. Man sieht sich die Filmings an und alles sieht großartig aus, alle tragen coole Kleidung, und natürlich ist es toll, Teil der Show zu sein. Doch das echte Leben passiert in den Classes. Sie machen genauso viel Spaß und du kannst dort einfach du selbst sein.

Mein Rat: Unterrichtet regelmäßig, lernt euch selbst kennen, lernt von anderen und helft neuen Teilnehmern beim Einstieg, damit sie regelmäßig eure Classes besuchen. Es mag kitschig klingen, aber jede Class kann sich wie ein Filming anfühlen, wenn du die richtige Einstellung mitbringst. Und wenn du deine normalen Classes nicht gut unterrichtest, dann wirst du auch beim Filming auf der Bühne nicht gut unterrichten.

Warum denkst du, dass deine Teilnehmer deine Classes immer wieder besuchen?

Weil ich darauf achte, eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Ich konzentriere mich darauf, den Menschen das Gefühl zu geben, die einzigen im Raum zu sein. Ich versuche, mir ihre Namen zu merken und mich mit jedem im Raum zu unterhalten, um das Ganze persönlich zu gestalten. In der Class gibt es nur dich, mich, die Musik und das Workout. Ich möchte, dass die Teilnehmer alles um sich herum vergessen, damit wir uns aufs Workout konzentrieren können. Wenn sie die Class verlassen, fühlen sie sich einfach besser.

Wie entwickelst du dich als Instruktor weiter?

Ich filme mich regelmäßig und analysiere meine Leistung. Ich bitte andere um Feedback und freue mich besonders über Feedback von Teilnehmern. Teilnehmer betrachten das Ganze aus einer völlig anderen Perspektive als Instruktoren, darum stelle ich ihnen Fragen wie: Wie hast du dich gefühlt, als ich XYZ gesagt habe? Wann bist du mit den Gedanken abgeschweift? An welcher Stelle des Workouts hast du dich am stärksten mit mir verbunden gefühlt? Mir ist die Sicht der Teilnehmer sehr wichtig, denn nur so kann ich die Class für Sie besser machen.

Wie bleibst du in diesen schwierigen Zeiten optimistisch und positiv?

Was mir in letzter Zeit geholfen hat war zu wissen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Wenn ich so empfinde, dann tun das sicher viele andere Menschen auch. Unternehmen, die größer sind als meines, haben eine schwere Zeit. Manche mussten komplett dichtmachen. Die Flugbranche, zum Beispiel, ist völlig zum Stillstand gekommen.

Ich kenne viele Instruktoren, denen es wirklich schwerfällt, nicht unterrichten und das tun zu können, was sie lieben. Meine Botschaft an sie wäre, dass das alles bald überstanden sein wird. Wenn du mal den Mut verlierst, dann denke daran: Als Instruktor hast du dich Möglichkeit, Leben zu verändern. Und das wird auch so bleiben.

Reagan Kang ist Les Mills Ambassador in Malaysia. Seit seinem 19. Lebensjahr ist er Instruktor für BODYCOMBAT, BODYPUMP und LES MILLS GRIT. Folgt Reagan auf Instagram @reagankang