"ES MACHTE MICH NERVÖSER, THE TRIP ZU UNTERRICHTEN, ALS VOR 1.000 LEUTEN ZU PRÄSENTIEREN."

Susan Renata hat bereits Tausende von Instruktor*innen auf der ganzen Welt ausgebildet und unzählige Masterclass-Videos für BODYPUMP und LMI STEP präsentiert. Warum also zitterte die LES MILLS Legende vor Nervosität, als sie lernte, THE TRIP zu unterrichten? Susan plaudert aus dem Nähkästchen ...

SARAH SHORTT:

Hallo Susan! Als ich dich letzte Woche im Fitnessstudio gesehen habe, hast du mir gesagt, dass du all deinen Mut zusammennehmen musst, weil du zum ersten Mal eine THE TRIP Class unterrichtest. Was hat dich dazu bewogen, das Programm zu unterrichten?

SUSAN RENATA:

Als Gruppenfitnessmanagerin für LES MILLS Auckland City gehörte ich zu dem Team, das den Launch von THE TRIP begleitete. Weil das Programm so anders war als alles, was wir bisher hatten, wurden wir aufgefordert, Instruktor*innen zu finden, die neu im Unterrichten waren. Damals fiel ich also automatisch in die Kategorie nicht die Richtige für dieses Programmund machte mich daran, ganz neue Instruktor*innen zu finden, die mit Leidenschaft und Begeisterung THE TRIP unterrichten würden.

Ich bin fast jeden Tag im Cycle-Raum und habe den Enthusiasmus für das Programm gesehen, seit es gestartet ist. THE TRIP ist einfach unglaublich und obwohl ich oft darüber nachgedacht habe, es zu unterrichten, redete ich mir immer wieder ein, dass ich nicht die Richtige dafür wäre. Anfang 2022 beschloss ich jedoch, dass ich etwas tun wollte, das mich herausfordert außerhalb meiner Komfortzone. THE TRIP zu unterrichten schien die perfekte Herausforderung zu sein.

Du hast im Laufe der Jahre unzählige Instruktor*innen in vielen LES MILLS Programmen ausgebildet. Wie hat es sich angefühlt, wieder in der Position der Lernenden zu sein?

Ich werde in ein paar Monaten am Initial Training teilnehmen, aber ich dachte mir, dass ich mit meiner über 25-jährigen Erfahrung als Instruktorin versuchen könnte, schon vor dem Training eine Release zu lernen. Ich dachte, ich hole die Choreo-Notizen heraus und versuche, sie von Grund auf zu lernen, um vielleicht einen Track vorab zu unterrichten und zu sehen, wie ich mich fühlen und in das Programm passen würde. Und schon sehr früh wurde mir klar, dass das Lernen von THE TRIP ganz anders ist als bei allen anderen Programmen.

Anfangs hatte ich eine komplette Blockade. Ich hatte wirklich Schwierigkeiten und bat eine meiner THE TRIP Trainerinnen, Laura Johnson, um Hilfe. Sie erklärte mir alles ganz genau und sagte: „Du lernst es nicht so, sondern so.

Ich musste meinen iPod weglegen (und ihr wisst ja, wie sehr ich an meinem iPod hänge) und die Sache aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten. Ich entdeckte, dass man dieses Programm nicht einfach nur durch das Hören der Musik und das Lesen der Noten lernt, denn es gibt eine visuelle Komponente auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm. Ich musste mein Lernsystem komplett umstellen, was nach mehr als 20 Jahren Unterricht eine echte Herausforderung war.

Ich habe hautnah erlebt, wie es für unsere Instruktor*innen ist, die zum ersten Mal unterrichten. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Mein Puls ging steil nach oben. Ich zitterte sogar, und als ich den Kursraum betrat, war ich total verunsichert. Ich dachte: "Ach du meine Güte, ich weiß gar nichts. Ich werde das so furchtbar falsch machen."

Wie war es, deine erste Class zu unterrichten?

Ich habe ein paar Tracks mit Laura unterrichtet und, oh mein Gott, es war großartig. Ich finde es toll, wie inklusiv THE TRIP ist und dass du die Leute auf diese unglaubliche Reise mitnehmen kannst. Ich komme von Programmen, die eher im „Power“-Bereich angesiedelt sind BODYPUMP, LES MILLS CORE und so weiter wo wir sehr direktiv sind und klare Anweisungen geben. THE TRIP ist so frisch und einladend, offen und inklusiv es ist fast so, als würde man eine ganz neue Sprache lernen.

Natürlich wollte ich beim ersten Mal, als ich es unterrichtete, die Beste sein, Weltklasse sein und all meine jahrelange Erfahrung in den Vordergrund stellen. Chris ist maßgeblich an allen Cycling-Programmen beteiligt und ich wollte von den Besten lernen.

Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal meine beiden Tracks mit ihm präsentiert. Sie zu lernen hat mir so viel Kopfzerbrechen bereitet und ich hatte das Gefühl, dass ich mir die Choreografie einfach nicht merken konnte. Ich habe hautnah erlebt, wie es für unsere Instruktor*innen ist, die zum ersten Mal unterrichten. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Mein Puls ging steil nach oben. Ich zitterte sogar und als ich das den Kursraum betrat, war ich total verunsichert. Ich dachte: „Ach du meine Güte, ich weiß gar nichts. Ich werde das so furchtbar schlecht machen.“ Und für einen Moment entschuldigte ich mich im Stillen bei allen Menschen, denen ich jemals Feedback gegeben habe und die mich möglicherweise ziemlich einschüchternd fanden!

Ich habe es verstanden. Ich hatte mich in eine Lage gebracht, in der ich wieder bei null anfing – alles auf Anfang. Ich wusste nichts über das Programm und musste buchstäblich eine neue Fähigkeit von Grund auf lernen. Ich musste mich daran erinnern, dass die erste BODYPUMP Class, die ich je unterrichtet hatte, schrecklich war. Ich musste die Langhantel im Squat-Track drei Mal ablegen, weil ich den Squat- mit dem Back-Track verwechselt hatte!

Wie hat es sich angefühlt, in einem neuen Programm Feedback zu bekommen?

Die Erwartung war, dass Chris mir direkt nach dem Unterricht ein Feedback geben würde und ich hatte plötzlich einen Moment, in dem ich mich fragte, wie ich damit umgehen soll.

Als ich bei BODYPUMP und LMI STEP Masterclasses mitwirkte, erhielt ich fast 15 Jahre lang jedes Quartal Feedback. Damals war ich wirklich gut darin, das Feedback anzunehmen und es zu nutzen, um weiter zu wachsen. Aber jetzt habe ich seit einigen Jahren kein Feedback mehr erhalten. Die alteingesessene Instruktorin in mir sagte sich: Was kann er mir schon sagen, was ich noch nicht gehört habe? Und gleichzeitig dachte das verängstigte Kind in mir: Oh mein Gott, ich werde zusammenbrechen, wenn er etwas Negatives sagt.

Zum Glück bin ich ein ziemlich offener Mensch und Chris und ich respektieren uns gegenseitig sehr. Deshalb vertraute ich darauf, dass alles, was er mir erzählte, mir nur dabei helfen würde, diese neue Sprache zu lernen und die neue Fähigkeit zu meistern, eine so andere Art von Programm zu unterrichten.

Ich habe seit einigen Jahren kein Feedback mehr erhalten. Die alteingesessene Instruktorin in mir sagte sich: Was kann er mir schon sagen, was ich noch nicht gehört habe? Und gleichzeitig dachte das verängstigte Kind in mir: "Oh mein Gott, ich werde zusammenbrechen, wenn er etwas Negatives sagt."

Hast du schon selbst unterrichtet?

Erst gestern hatte ich eine Anfrage, um in letzter Minute für THE TRIP einzuspringen und ich dachte: Stimmt, du kennst ja fast die ganze Release. Du schaffst das, Susan. Ich setzte mich selbst auf den Kursplan und verbrachte die nächsten 90 Minuten damit, mich zu fragen: Wen kann ich sonst noch dazu bringen, das zu unterrichten? Es muss doch noch eine*n andere*n TRIP Instruktor*in geben. Ich musste mir selbst wirklich gut zureden: Es ist in Ordnung, eine Anfängerin zu sein. Es ist in Ordnung, die eigenen Schwachstellen anzunehmen. Was ist das Schlimmste, was realistischerweise passieren kann? Das Schlimmste war, dass ich die Choreografie falsch verstanden hatte und sie nicht ganz zum Geschehen auf der Leinwand passte. Ich gab mir selbst die Erlaubnis, es nicht gleich beim ersten Mal richtig zu machen. Aber ein Teil von mir war auch so euphorisch, dass ich es einfach ausprobieren wollte.

Ein Kollege erzählte mir eine Geschichte über ein Interview, in dem zwei Künstler Bruce Springsteen und Belinda Carlisle gefragt wurden, ob sie unter Lampenfieber leiden. Belinda Carlisle sagte, dass es für sie lähmend war: Sie hatte das Gefühl, nicht atmen zu können, sie wurde unruhig und wollte nicht auf die Bühne gehen, weil sie sich nicht bereit fühlte.

Auch Bruce Springsteen berichtete, dass er Lampenfieber habe, nicht atmen könne, sehr nervös werde und Angst habe, zu versagen ... Er sagte aber auch, er wisse, dass er, wenn er Angst davor hat, auf die Bühne zu gehen, auch wisse, dass er bereit ist, weil er so leidenschaftlich bei dem ist, was er tut. Das fand ich wirklich cool und ich habe versucht, diese Einstellung zu übernehmen. Denn die Kurzatmigkeit, die Nervosität waren zu 50 Prozent Angst, aber auch zu 50 Prozent Freude.

Wie ist die Class gelaufen?

Als ich den Cycling-Raum betrat, hatte ich furchtbare Angst. Ich hatte einen trockenen Mund, ich zitterte ... Ich war nervöser, als ich vor diesen 46 Personen unterrichtete, als beim Super Saturday in Schweden vor tausenden von Leuten!

Als ich mich den Teilnehmer*innen vorstellte, sagte ich: Mein Name ist Susan und dies ist mein erster Kurs überhaupt. Und ich weiß, dass ihr mich anseht und denkt, dass dies möglicherweise mein letzter Kurs ist ... stehst du nicht kurz vor der Rente?! Und dann sagte ich: Hört zu, ich vertraue auf meine Coolness egal, wie viel davon noch übrig ist und das hier ist eines der coolsten Programme an einem der coolsten Orte [LES MILLS Auckland City]. Seid ihr dabei?“ Ich gab mir die Erlaubnis, Fehler zu machen und das zu akzeptieren.

Als der Kurs zu Ende war, hob ich beide Hände in die Luft und machte einen regelrechten Luftsprung! Und eines der Mitglieder kam zu mir, gab mir ein High Five und sagte: Nicht schlecht für eine 53-Jährige.

Wie hast du dich bei dieser Erfahrung gefühlt?

Es gab ein paar Mal, da habe ich mich gefragt: Warum tust du das? Warum drängst du dich aus deiner Komfortzone heraus? Die Antwort ist, dass es wichtig ist, mich immer wieder herauszufordern. Das letzte Mal, dass ich ein neues Programm gelernt habe, war LES MILLS CORE das ist nun schon über 10 Jahre her, damals hieß es noch CXWORX.

Und so befinde ich mich im Alter von 53 Jahren auf der Reise, etwas völlig Neues zu erlernen, und das mit einer LKW-Ladung an Selbstzweifeln. Ich wusste nicht, ob ich gut genug sein würde. Ich wusste nicht, ob ich cool genug für dieses Programm bin. Aber es geht auch darum, den Menschen eine andere Seite von Susan Renata zu zeigen. Die meisten Menschen kennen mich als BODYPUMP Instruktorin, aber wir alle haben verschiedene Seiten unserer Persönlichkeit, verschiedene Schichten menschlicher Tiefe. Ich genieße es, den Menschen auch mal eine andere Susan zu zeigen.

Susan Renata ist in West Auckland, Neuseeland, aufgewachsen. Von klein auf war sie eine hervorragende Turnerin und verfolgte ihre Liebe zu Fitness mit einem Sportstudium an der Otago University, wo sie auch begann, Aerobic zu unterrichten. Nach dem Studium arbeitete Susan 10 Jahre lang als Kriminalbeamtin bei der neuseeländischen Polizei und unterrichtete nebenbei LES MILLS Kurse. Schließlich verließ sie die Polizei und wechselte zu LES MILLS International, wo sie als Trainingskoordinatorin, Masterclass-Presenterin für BODYPUMP und internationale Master Trainerin tätig war. Mehr als 15 Jahre lang arbeitete Susan für LES MILLS International in den USA und den Niederlanden und kehrte schließlich 2013 nach Neuseeland zurück. Seit 2014 ist sie als Gruppenfitnessmanagerin bei LES MILLS Auckland City tätig. Neben ihrer Arbeit für LES MILLS ist Susan auch Facilitator für Leadership Development Intensive LDINZ und Wellness- und Life Coach.